2. Ursprung der Sequenzer

Stepsequenzer

Schon Walzen-Spieldosen des ausgehenden 18. Jahrhunderts sind streng genommen Sequenzer – also Maschinen, deren Aufgabe es war, Tonereignisse automatisch auf Wunsch beliebig oft wiederzugeben.

In den 60er Jahren des vergangenen Jahrtausends begannen Elektronik- und Musiktüftler das mechanische Modell aufzugeben und suchten nach neuen Wegen. Sie erfanden den analogen Stepsequenzer, mit dessen Hilfe komplexe Klangabläufe in Verbindung mit den damaligen Synthesizern speicherbar gemacht werden konnten. Die Aufzeichnung erfolgte über die CV-Schnittstellen, die heute nur noch in speziellen midifizierten Analogsynthesizern zum Einsatz kommt. Diese Sequenzer hatten jedoch nur einen begrenzten Speicher. Nach 8 bis 64 Schritten wiederholten sich die Pattern, was für danceorientierte Musikstile sogar heute noch ein Vorteil sein kann. Die Bedienung ließ eine Real-Time-Aufzeichnung des Gespielten nur bedingt zu, da jeder 'Step' einzeln programmiert werden musste. Zudem waren die ersten analogen Geräte groß, unhandlich und häufig unzuverlässig.

Bis heute hat der Stepsequenzer seinen festen Platz in dance- und grooveorientierten Klangerzeugern.

Korg Radias
Stepsequenzer im Korg Radias

Geschichte der Midisequenzer

Anfang der 80er Jahre einigte man sich unter den führenden Synthesizer Herstellern auf einen gemeinsamen Standard. Das Musical Instrument Digital Interface - kurz MIDI war geboren. Dies geschah insbesondere auf Anstrengungen von ROLAND und SEQUENTIAL CIRCUITS. Aber die ersten wirklichen Software-Sequenzer ließen noch auf sich warten. Tatsächlich war der Commodore 64 in seinem Erscheinungsjahr 1982 der erste Homecomputer, der vielversprechend genug erschien, als Plattform für einen Software-Sequenzer zu dienen. Es dauerte nicht lange, bis sich das erste professionelle Sequenzerprogramm für diese Plattform vorstellte: Cakewalk professional 1.0 für DOS.

Ungefähr zeitgleich erschien dann auch 1984 das Programm Pro-16 auf dem Commodore 64 von der deutschen Firma Steinberg. Zusammen mit einem erhältlichen MIDI Interface war somit echtes 16 Spur MIDI Sequenzing möglich - und das zu einem erschwinglichen Preis. Zu dieser Zeit erschien auch der Apple Macintosh II, und kurz darauf im nächsten Jahr, 1985, erschien der AMIGA und der ATARI ST, der als erster (und bis heute einziger) Computer mit einer fest eingebauten MIDI Schnittstelle verkauft wurde. Der Atari ist teilweise heute noch dank seines legendären Timings im Einsatz. Schnell erkannte man das Potential und entwickelte auch bei Apple ein MIDI Interface. Steinberg setzte auf die neue Hardware Generation im Home Computer Bereich, und es folgten Pro-24 für den Atari ST.

Während im Jahr 1987 die meisten Hersteller den professionellen MIDI Markt anpeilten, ging Commodore mit dem AMIGA einen Schritt weiter in Richtung Spiele-Konsole, bei der auf Multimedia-Fähigkeiten Wert gelegt wurde. Schnell kamen Sequenzer auf den Markt die nach dem Tracker-Prinzip funktionierten. Soundtracker v1.x war der erste Tracker auf dem Amiga. Er machte Gebrauch von den Soundkanälen des PAULA - Musik Chips und unterstützte 4 Kanäle, 15 Instrumente und benutzte 5 Effekte. Auch Cakewalk gab es 1987 schon in der Version 2.0, die Firma Twelve-Tone-Systems spezialisierte sich jedoch auf den IBM-PC kompatiblen Markt mit ihrem MIDI Sequenzer.

Cubase Drumeditor
Cubase Drumeditor

1988 erschien dann die Software Creator von der Firma C-Lab, die später das identische Notator SL mit Notensatz nachschob. Hieraus sollte sich dann Logic von Emagic entwickeln. Die Oberfläche des Ur-Sequenzers mutet nach heutigen Maßstäben kompliziert an. Sie war es aber nicht und nicht zuletzt die Stabilität des Programms begründete den rockstable Ruf der Firma.

Notator SL
Notator SL

Den ersten Software Sequenzer mit einem Grafischen User Interface (GUI) brachte dann Steinberg 1990 mit seinem Nachfolger für Pro-24 auf den Markt: CUBASE war geboren. Dieses Programm gilt praktisch als Urvater aller aktuellen Sequenzer.

Schnell erkannte auch die Firma C-Lab die Vorteile eines GUI und bot ab 1993 zunächst Notator Logic, und schließlich Logic 1.5 für den Atari ST und den Apple II an. Im selben Jahr erschien auch der erste Pentium Prozessor von Intel mit einer Taktfrequenz von 66Mhz. Schnell kamen für alle 3 großen Sequenzer Programme CUBASE, CAKEWALK und LOGIC entsprechende PC Versionen auf den Markt.

Mitte der 90er schien das Midi-Machbare ausgereizt und die Hersteller arbeiteten fieberhaft an der nächsten großen Revolution: dem Audiorecording. Zunächst waren die 'nativen' Systeme (Nativ=Die Berechnung findet auf der CPU des Hostsequenzers statt) aufgrund schwacher Hardware mehr als wackelig und eher etwas für Freaks. In Profikreisen hatte folglich damals die Firma Digidesign mit ihrer eigens entwickelten Hardware und dem Programm ‚Pro Tools’ die Nase vorn. Es ist kaum verwunderlich, das Pro Tools auch heute noch als DAS Audio-Schnittprogramm z.B. in der Filmvertonung und Sounddesign angesehen wird, während Midisequenzer lange Zeit um ihre Akzeptanz in Punkto Zuverlässigkeit kämpfen mussten.

Heute ist es praktisch egal, mit welchem System gearbeitet wird: Alle Sequenzerprogramme bieten komfortable und sichere Midi- und Audiofähigkeiten und unterschieden sich oft nur noch in der Handhabung. Das gilt übrigens auch für Pro-Tools.

Pro Tools 7
Pro Tools 7

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