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Bedienung
Features
Sound
Verarbeitung

Eierlegende Wollsaumilch

Bei dem Preis kann man schon skeptisch werden. Mein Rücksturz zur E-Gitarre, Hobby, zuhause und zum Aufnehmen, bachte die Erinnerungen an all die Vox AC30, Twin Reverb, Marshall, Orange und sogar WEM-Kisten zrück, die ich mit verschiedenen Telecasters von 1984 Vintage Reissue bis American Standard spielen durfte. Kann so eine kleine Kiste da heran ? Viele Puristen schnauben und ihre Antwort lautet nein. Meine Antwort nach zwei Tagen des Herumprobierens lautet: So klein das Ding ist, so elektronisch und digital sein Inneres beschaffen ist, es kommt sehr nahe an das heran, was ich von früher kenne.

Bedienung: Wie ein Verstärker bedient wird. Einstöpseln, einschalten, spielen. Die üblichen Regler sind linksseitig vorhanden und man bedient sie, wie man das schon immer tat.

Der viel erwähnte Unterschied besteht in der Tatsache, daß der Apparat sogenannte "Presets" bereit hält, die mit einem Wählrad auf der rechten Seite ausgewählt werden. Diese Presetes umfassen die Amp- und Effekt-Auswahl sowie deren Einstellungen. Das scheint manche Leute zu verwirren oder abzuschrecken. Meines Erachtens ist das nicht gerechtfertigt. Wenn man sich aber klar macht, daß man sich ein "nacktes" Verstärkermodell auf einen Preset legen kann, sich bei der Benutzung auf dieses beschränken kann, wenn man denn will, dann kann ich die Verwirrung nicht mehr recht verstehen.

Über die Qualität und Praxisgerechtigkeit der Presets mag man streiten, aber das ist im Grunde zweitrangig, denn die Presets lassen sich beliebig erstellen, verstellen und ändern. Der wahre Clou der Kiste liegt nun auch gerade darin, daß dies nicht nur am Amp selbst recht einfach zu bewerkstelligen ist, sondern, wie vielfach erwähnt auch und gerade mit einer downloadbaren/mitgelieferten Software namens Fuse. Die ermöglicht Einstellungen, die über die EIngriffsmöglichkeiten des Panels am Rechner hinausgehen. Die am Rechner (auf einem dort abgebildeten Amp zurechtgedrehten) Einstellungen lassen sich leicht als Preset auf den kleinen Kasten schieben, wo sie fortan zur Verfügung stehen.

In der Software gibt es Klangregelungen, die einen Mid-Regler umfassen, der auf dem Panel des Mustang I V2 nicht vorhanden ist. Bemerkenswert ist, daß sich in der Software bei der Einstellung eines Preset auch der Ruhepunkt der virtuellen Röhren einstellen läßt. Lautsprechersimulationen lassen sich auswählen oder auch abschalten, dazu gleich mehr.

Ich kann mich nur dem Tip eines meiner Vorschreiber anschließen und dazu raten, einmal einen Twin mit erhöhtem Ruhepunkt und abgeschalteter Cabinet-Simulation zu versuchen. Das, was da herauskommt, klingt so harmonisch und plastisch, als würde man tatsächlich einen "hot rod" spielen. Irgendwie unglaublich, aber wahr.

Für das Geld wird viel geboten; sicher auch eine Frage der Produktionskosten in Asien mit allen Begleiterscheinungen, aber das ist hier nicht das Thema.