5. Das Setup

Der Grundsound

Was ist ein guter Grundsound ? Natürlich gibt es auch hierfür keine allgemeingültige Regel. Auf der einen Seite steht wie immer der persönliche Geschmack, auf der anderen aber doch deutliche Tendenzen. An dieser Stelle sollen 4 Faktoren erläutert werden, die gemeinsam den Grundsound ergeben:

  1. Ausgewogenheit:
    Weder zu höhen- noch zu basslastig; eine Überbetonung der Mitten klingt wie durch die Nase (allerdings gibt es Leute, die genau auf das stehen), ein zu ausgeprägtes Mittenloch ist wenig durchsetzungsstark und irgendwie klinisch ...
  2. Wärme:
    Hängt mit der Ausgewogenheit zusammen, oft auch mit dem Faktor Röhre, obwohl es heute auch gelungene Beispiele ohne gibt.
  3. Power:
    Watt ist nicht gleich Watt, also nicht nur auf Zahlen schauen. Möchte man, dass einem die Hosenbeine flattern? Vor allem: Wollen die Mitmusiker das? Kleinere Amps haben den Vorteil, dass man sie weiter aufdrehen kann und so auch die Endstufenverzerrung nutzen kann, was im Zweifelsfall immer besser klingt als reine Vorstufenverzerrung.
  4. Dynamik:
    Wie viel bewirkt der Anschlag im Sound? Wer nicht auf das total komprimierte Brett steht, kann mit seinem Anschlag unglaublich viele Nuancen aus seinem Sound herauspicken.

Overdrive/Distortionsound

Damit ist an dieser Stelle nicht der Einsatz von Effekten gemeint, sondern die Übersteuerung die in Vor- und Endstufe (meist) eines Röhrenverstärkers entsteht, wenn dieser entsprechend aufgedreht wird.

Wieder einmal schwer zu beschreiben. Manche Amps haben einfach einen sehr schönen, harmonischen, andere (manchmal sogar baugleiche Verstärker) klingen grauenhaft harsch, bröselig, kratzig ... wie gesagt, kaum in Worte zu fassen. Hier entscheidet (wie so oft) der subjektive Höreindruck jedes einzelnen Gitarristen.

Zuerst muss man sich einmal darüber klar werden, welche Art von Setup man braucht, kommen wir also zu den Grundtypen:

Classic Rock: eine Gitarre und ein Amp

    • Amp pur:
      Der Klassiker: Man nehme einen guten Röhrenamp alter Bauart (ein Kanal genügt für diesen Zweck), reiße ihn auf (da die klassischen Amps selten über einen Master-Volume-Regler verfügen, dürfte es sehr laut werden; selbstverständlich klingen auch die mit Master besser, wenn die Verzerrung nicht nur von der Endstufe kommt) und mache den Rest mit dem Volumeregler der Gitarre (oder – für bequeme Menschen – mit einem Volumepedal): Will man einen crunchy Riffsound oder einen möglichst cleanen Sound, dreht man das Volumen entsprechend zurück: Vor- und Endstufenröhren werden weniger angesteuert und verzerren auch entsprechend weniger.

      Das mag altmodisch klingen, aber die meisten Rockklassiker wurden mit so einem Setup eingespielt und heute macht man es zum Teil wieder genau so.

Beispiele:

Jimmy Page-Led Zeppelin: Les Paul über Marshall oder einen kleinen "scruffy" alten Supro.
Ritchie Blackmore / Deep Purple-Machine Head: Fender Stratocaster über Marshall
Eric Clapton/Bluesbreakers o. Cream: Les Paul über Marshall ohne Master
Eric Clapton-Layla: Fender Stratocaster über Fender Champ oder Twin Reverb
Paul Kossoff/Free-Alright Now: Les Paul über Marshall

Wem der vollaufgedrehte Amp einfach zu laut ist (im Studio heute eher kein Problem, live und im Proberaum sind es oft die Bandkollegen, die die weiße Flagge hissen), dem bieten sich zwei Möglichkeiten an:

  • Kleine Amps:
    Um mit Bassisten und unverstärktem Schlagzeug mithalten zu können, genügen wirklich kleinste Röhrenamps:
    Ein kleiner Fender Pro Junior (15 Watt, Volume- und Toneregler, Superklassikersound!) hätte sicher bei normal arbeitenden Bands keine Probleme, sich durchzusetzen, der nächstgrößere Blues Junior bietet noch mehr Möglichkeiten.
  • Booster oder Verzerrer vorschalten:
    Diese Möglichkeit hat bereits Jimi Hendrix genutzt. Am Fuzz Face interessierte ihn nicht der bemerkenswert kratzig verzerrte Sound, der sich ergibt, wenn man dieses vor einen clean eingestellten Amp schaltet, sondern vielmehr die Sustainverlängerung, die zutage tritt, wenn man einen bereits übersteuerten Röhrenamp noch vor der Vorstufe zusätzlich boostet. Gary Moore verwendete lange Zeit einen Ibanez Tubescreamer vor seinen Marshalls, Ritchie Blackmore den Outputregler seines Tape Delays, Rhandy Rhoads einen MXR Distortion Plus, Brian May und Rory Gallagher einen Rangemaster, Jeff Beck früher irgendwas, was funktionierte, in letzter Zeit eine ProCo-Ratte etc. Es gäbe noch viele Beispiele. Ergebnis dieser Prozedur: Mehr Verzerrung auch bei erträglichen Lautstärken, oft gesellt sich als angenehmer Nebeneffekt noch eine sehr individuelle Soundprägung dazu.
  • Distortion vor cleanem Amp
    Für viele Gitarristen war die Lösung, nur mit einem Ampkanal auszukommen, zu wenig flexibel: Wirklich saubere Cleansounds waren schwer zu erreichen, außerdem wurden in den 70ern zunehmend mehr Effekte eingesetzt, diese klingen vor einem verzerrenden Amp meistens nicht befriedigend (von Wah-Wah und – wie folgt – Verzerrern einmal abgesehen). Zudem ist ein aufgedrehter Marshall ohne Master einfach ungesund laut. So war man bereits in den 60ern auf die Idee gekommen, transistorisierte Verzerrer zu bauen, die den Overdrivesound der Röhrenamps nachempfanden. Zuerst hörte sich das meist sehr giftig und unnatürlich an, man denke an das berühmte Satisfaction-Riff oder an diverse Yardbird-Sounds aus der Beck/Page-Ära. Mit der Zeit wurden die Pedale aber immer besser, sie hießen jetzt auch nicht mehr Fuzz, sondern Overdrive, Distortion – endlich gab es auch den berühmten Tube Screamer, dessen Soundziel deutlich im Namen aufscheint.
    Gerade in den damals angesagten progressiven Bands wie Genesis, Pink Floyd oder Yes war Soundvielfalt angesagt: So verwendeten Steve Hackett, Steve Howe und natürlich der „Master of 100 Pedals“ David Gilmoure mehrere Verzerrer für die Leadsounds und steuerten mit diesen ihre anderen Effektpedale an. Um die doch oft rauhen Kanten etwas zu glätten, setzten sie auch Kompressoren am Beginn der Signalkette ein. David Gilmoure macht das bis heute so; Ausgangspunkt ist für ihn immer ein erstklassiger Cleansound, dann mischt er die einzelnen Effekte wie ein Maler auf einer Palette zusammen.
  • Amp mit Einschleifweg
    Wer doch lieber den originalen Röhrensound seines Amps verwendet, muss dennoch nicht auf Effekte verzichten. Seit Anfang der 80er Jahre ist es üblich, modernen Verstärkern einen Einschleifweg zu verpassen. Das Signal durchläuft zuerst die Vorstufe, wo es (bei Leadsounds) übersteuert wird, dann über die Sendbuchse in die Effekte und über die Returnbuchse zur Endstufe, die jetzt allerdings nicht zu stark zerren sollte, sonst würden die Effekte wieder verzerrt, was durch das Einschleifen ja vermieden werden sollte. Da moderne Amps in der Regel über 2 oder mehrere Kanäle verfügen, hat man so eine Auswahl zwischen Lead und Rhythmussounds zur Verfügung.
  • Racklösungen
    In den 80er Jahren wurde es populär, die altmodischen (heute lacht man darüber) Stacks auszurangieren und stattdessen komplizierte und teure Racksysteme zusammenzustellen. Amptops wurden als Riesenverzerrrer missbraucht, von denen aus ganze Effektracks und letztlich cleane Röhren (Steve Lukather – Mesa Boogie) oder Transistoren (früher Eddie Van Halen – H&H ) Endstufen angesteuert wurden. Der Sinn dahinter ist sonnenklar. Man nimmt den Distortionsound seines/seiner Lieblingsamps (inkl. Endstufenverzerrung), regelt den Wahnsinnsoutput mittels Lastwiderständen wieder auf Linelevel, geht dann in die Effekt und verstärkt das Ganze dann wieder auf Bühnenlautstärke, um damit beliebig viele 4 x 12 Boxen anzutreiben. Zweiwegsysteme (Stereoeffekte) machten den Anfang; Als man bemerkte, dass vor lauter Effekten oft der Druck und der gute Grundsound auf der Strecke blieben, kamen dann Dreiwegsysteme (in der Mitte der pure Ampsound, links und rechts die Effekt in stereo). Eigentlich genial, aber: für Otto Normalverbraucher viel zu aufwendig und zu teuer. Auch viele der Superstars spielen heute wieder eher einfache Systeme. Sicher spielt dabei auch der Zeitgeist eine enorme Rolle. Nach der von Seattle ausgehenden Grunge-Bewegung waren plötzlich urige, ungeschminkte Sounds wieder angesagt, Gitarristen, die ein Jahrzehnt lang Tonnen von Equipment mitgeschleppt hatten, bekannten sich plötzlich wieder zur "„An-meine-Gitarre-lasse-ich-nur-Amp und Kabel“-Methode". Das soll nicht einmal ein leiser Vorwurf sein; man darf seinen Geschmack, aber auch seine Meinung im Lauf der Jahre ändern. Lustig ist nur, wenn man zufällig ein altes Interview von diversen Rackspezialisten ausgräbt, wo das damals hochaktuelle, komplizierte System in höchsten Tönen gelobt wird, dass derselbe heute eher geringschätzig als „teuere Kühlschränke“ bezeichnet. Es ist aber keineswegs so, dass Racks heutzutage für Gitarristen nichts mehr zu bieten haben: Einerseits ist die Dreiwegvariante auch heute noch eine tolle Möglichkeit, komplexe Sounds zu erzielen, ohne dabei auf den Originalsound des Ampsound zu verzichten. Andererseits gibt es heute Geräte, mit denen auch praktische und erschwingliche Lösungen relativ erschwinglich zu realisieren sind.

Multiamp-Setup:

  • Version A:
    Das Prinzip ist schnell erklärt: Anstatt für verschiedene Sounds die Kanäle eines Gerätes zu benutzen, wird für jeden Sound (z. B. Clean, Crunch, Lead) ein eigener Verstärker angesteuert. Das Gitarrensignal wird dann über A-B-Boxen zum gewünschten Amp geschickt.
  • Version B:
    Eine weitere Möglichkeit (die vor allem Stevie Ray Vaughn berühmt gemacht hat) ist das Kombinieren verschiedener Amps. Man kann sich also von Amp B genau die Frequenzen holen, die bei Amp A etwas unterbelichtet sind, dafür liefert Amp A wieder mehr Wärme usw. ... Eine Spielwiese für Soundfetischisten, aber natürlich nicht gerade die kostensparendste Variante!

Amp-Modelling:

Kein Thema hat die eher altmodische Welt der Gitarristen derart durcheinandergewirbelt und polarisiert wie das Amp-Modelling. Mit digitaler Technik wird hier versucht, Sound und typisches Verhalten aller möglichen modernen und Vintage-Amps zu simulieren, und die Erfolge sprechen zum Teil für sich.

Die wichtigsten Unterschiede zu herkömmlichen Verstärkern und auch die wesentlichsten Vorteile sollen aber hier nicht unerwähnt bleiben:

  • Mit einem Modeling Amp (oder Preamp) hat man alle wesentlichen Sounds (von den verschiedenstens Amps) per Knopfdruck bereits in der gewünschten Einstellung (Lautstärke, Sound) und mit den gebrauchten Effekten zur Verfügung.
  • Man kann sich darauf verlassen, dass man immer „seine“ Sounds hat, unabhängig von Lautstärke und verwendetem Mikrofon, Mischpult etc.
  • Viele Modelle beinhalten Simulationen von Vintage-Amps, die heute als Originale unerschwinglich wären, oder solche von wirklich teuren Nobelmarken.
  • Aufwendige und teure Instandhaltungsprozeduren, wie sie viele Röhrenamps erfordern, fallen weg, außerdem das Gewicht der heißgeliebten Warmluftbereiter.

Auch wenn viele Gitarristen nach wie vor auf ihre Röhrenamps schwören, die Entwicklung zu digitalen Gitarrenanlagen ist noch lange nicht abgeschlossen und man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie es weiter geht.

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