Gesamt
Features
Sound
Verarbeitung

Interessante Optik gepaart mit sehr gutem Sound.

Ich bin relativer Neueinsteiger, das sind meine ersten echten Monitorlautsprecher. Ich kenne aber alle Preislagen von HiFi-Lautsprechern, auch die High-End-Liga. Daher kann ich Klangqualität allgemein sicherlich beurteilen. Vergleiche zu anderen Studiomonitoren kann ich allerdings nicht ziehen, da ich das hier (noch) als Hobby betreibe und nicht 10 verschiedene Paare testen wollte. Das habe ich mit Audio-Interfaces, Mikrofonen, Gitarrenamps, Effektgeräten etc. schon hinter mir. :-)

Ich kenne Tannoy schon von früher, und beim ersten Blick fiel mir sofort die Optik sehr positiv auf. Ich sitze viel in meinem Heimbüro/-studio und wollte nicht immer nur so dröge graue Kisten im Blickfeld haben, wie sie von den üblichen Verdächtigen angeboten werden. Ein Farbakzent kann also nicht schaden. Die Vinyloberfläche ist auch mal was anderes als Hochglanzlack oder Furnier.

Also habe ich diese auf "Verdacht" bestellt im Vertrauen, dass Tannoy das schon hingekriegt hat. Falls nicht, dann eben andere. Und hier muss ich sagen: Die bleiben! 1. Schuss ein Volltreffer, ich bin äußerst positiv überrascht! Kraft ist im Überfluss vorhanden, bei mehr als 50% bläst es einen förmlich zum Studio (13 m²) hinaus. Heißt aber auch, dass man sehr leise Passagen laut genug aufdrehen kann, dass man auch hier noch alles hört.

Äußerst differenzierte Höhen und Mitten, relativ druckvoller Bass (der natürlich keinen Subwoofer ersetzt). Im Vergleich zu sehr guten HiFi-Spielern merkt man deutlich, dass es hier noch einmal viel neutraler zugeht. Was mir aber insgesamt gut gefällt, da ich bei HiFi auch eher neutrale Abstimmungen ab Werk bevorzuge. Könnte mir die Tannoys auch gut an meiner Zweitanlage für den Alltag vorstellen. Klanganpassungen mache ich sowieso lieber per EQ am Verstärker/Receiver.

Gehäuse und Haptik sind prinzipiell auch sehr gut, aber eine von beiden Boxen hat einen leichten Fertigungsfehler, wo das Vinyl nicht ganz eben ist (ein kleiner Hügel). Das gibt einen Stern Abzug bei der Verarbeitung. Aber deswegen tauschen? Hm...

Die Regelungsmöglichkeiten wären zwar allesamt vorne besser aufgehoben, aber die Basskorrektur macht man ja eigentlich nur 1x beim Aufstellen, von daher geht das in Ordnung. Lautstärke und Höhen vorne sind für den Alltag ausreichend. Ich habe das Volumen auf 12 Uhr stehen, den Rest macht mein Monitorcontroller. Ich kann nur jedem empfehlen, sich sowas anzuschaffen, entweder 2in1 oder einzeln. Für einfache Belange reicht ein Behringer Monitor1 um die 30€. Habe ich auch schon ausprobiert. Ich bin dann allerdings auf ein Interface mit aktivem Controller geschwenkt (M-Audio AIR). Ein Kästchen u. 2 Kabel (und damit Fehlerquellen) weniger.

Was nirgends steht: Die Monitore haben an der Unterseite eine geklebte Gummimatte, die eine ziemlich wirksame Entkopplung vom Untergrund erreicht. Bei mir stehen sie auf zweckentfremdeten älva-Hockern aus Eichenholz (gibts bei A... für je 39€) auf dem Schreibtisch, was sehr gut aussieht. So sind sie genau auf Kopfhöhe und ich spare mir teure Ständer. Ich hatte mir ISO-Pads dazubestellt, welche ich nun wohl gar nicht brauche.

Man sollte also vorher testen, ob die mitgebrachte Entkopplung ausreicht, bevor man entsprechend Zubehör ordert.

Dass man 2 unterschiedliche symmetrische Anschlussmöglichkeiten hat, finde ich super. Das macht sie sehr flexibel. Beide funktionieren einwandfrei. Ich verwende nun dauerhaft Cordial CFM 6 MV (Klinke vom Interface auf XLR an den Monitoren).

Die direkte Zuspielung über den 3. (asymmetrischen) Klinkenanschluss verwende ich nicht. Viel zu umständlich. Handy oder MP3-Player kann ich auch an mein Interface anschließen, das ist viel komfortabler. Aber gut, dass es möglich wäre, falls doch mal ein Standalone-Betrieb nötig wird.

Also: Klare Kaufempfehlung! Auch preislich kann man nicht meckern. Für Vergleichbares im HiFi-Sektor würde man viel mehr ausgeben müssen.

Schade ist nur, dass es keinen passend abgestimmten Subwoofer gibt. Denn unter 60 Hz wirds etwas dünn im Sound. Für eine umfassende Beurteilung der ganz tiefen Frequenzen muss ich mich zukünftig also noch etwas umschauen. Aber das war mir vorher schon klar, dafür gibts ja ein Datenblatt.