Gesamt
Ansprache
Features
Sound
Verarbeitung

Beeindruckendes Instrument

Fazit vorab: Für den Preis macht man nichts falsch. In jedem Sinne stimmt "input" und "output". In Bezug auf den Preis verschmerzbare Abzüge für Streuungen bei der Verarbeitung.

Aufgrund der gleichen Bauart mit Profi-Hörnern und aus einschlägigen Foren wurde ich vor einiger Zeit auf das Instrument aufmerksam. Gut ein halbes dutzend Thomann-301 habe ich inzwischen mit/für Bekannte angespielt. Beeindruckend, dass man für so schlankes Geld ein ausgesprochen gutes Horn bekommen kann.

Als ambitionierter Amateur spiele ich neben einem Manufakturinstrument - Referenz für diesen Vergleich - auch ein 301 und bin sehr zufrieden damit. Es wird bei mir als Zweitinstrument genutzt, wenn zuviel Trubel auf der Bühne oder beim Marschieren zu erwarten ist, ich aber dennoch Wert auf klangliche und spielerische Qualität lege.

Intonation: Bei allen angespielten Instrumenten war die Intonation mehr als gut und im Vergleich bei einigen mit meiner Referenz gleichauf. Beim Wechseln stelle ich diesbezüglich keine Unterschiede fest. Genau wie bei manchen Manufakturinstrumenten ist aber im Vergleich zu Instrumenten wie z.B. Yamaha hier eine bemerkbare Serienstreuung vorhanden. Diese ist m.E. stets akzeptabel im Rahmen. Nach dem Durchstimmen des Instrumentes waren die Ventilzüge so ausgezogen wie ich es vermutet hätte. Sehr angenehm ist die Möglichkeit, die B-Seite und F-Seite des Instruments getrennt vom Hauptstimmzug einstimmen zu können.

Ansprache und Spielgefühl: Bauartbedingt hat es wie die großen Referenzen einen deutlichen, angenehmen Widerstand beim Spielen. Generell ist bei dieser Bauart gute Stütze und Luftführung wichtig, um sich an den Widerstand des Instrumentes anlehnen zu können. Es erzwingt viel gut geführte Luft, was gut für den Klang ist. Erfahrenen Spielern oder Wechslern vom (Single-) F-Horn wird dies m.E. gelegen sein. (Anders ausgedrückt: Wer von einem Null-Widerstand Instrument kommt oder als Anfänger mit wenig Luft und ohne Stütze spielt, der wird Zeit brauchen, um Ton und Intonation auf dem Instrument zu beherrschen - oder ein anderes Instrument wählen.) Läßt man sich auf diesen Widerstand ein, so kann man die Töne butterweich auch aus dem Piano erklingen lassen. Im Fortissiomo bleibt der Ton bei steigender Lautstärke ausreichend lange kernig, ohne dass es "bratzt".

Klang: Es klingt! Sehr sogar. Im Vergleich ist bei gleichem "input" zum "output" festzustellen, dass es ausgesprochen gut klingt und oft sogar besser oder ebenbürtig im Vergleich mit anderen Instrumenten in der unteren bis mittleren Preisklasse industrieller Fertigung ist. Die großen Vorbilder klingen allerdings noch brillianter.

Fertigungsqualität: Der aufmerksame Betrachter wird eine Streuung in der Serie bemerken (wie ich sie auch schon bei einem bekannten amerikanischen Hersteller gesehen habe, nur dort für richtig Geld). Die Lackierung ist OK, mal sehen wie lange sie hält. Bei allen angespielten Instrumenten lief die Maschine einwandfrei, was die Hauptsache ist. Der Trichter läßt sich einwandfrei aufschrauben. Auffällig ist, dass die Innenzüge aus blank geschliffenem Messing sind und manchmal recht viel Spiel haben. Sie sind nicht aus Neusilber, weshalb hier öftere Pflege und ein gutes Slide Gel/Öl (z.B. Artikel 264592) nötig sein wird. Generell wird häufigeres Durchspülen, neu fetten und ölen mechanische Überraschungen lange Zeit verhindern helfen. Man bedenke aber den Preis und verkneife sich das Meckern!

Besonderheiten: Neben dem Fingerhaken ist ein Flipper für den Handrücken am Mundrohr aufgelötet. Die Führung kann auch für eine Marschgabel (z.B. Artikelnummer 100282, Stift 90 Grad biegen) verwendet werden. Eine Messingstütze verhindert, dass ein Handschutz ohne Aufschneiden angebracht werden kann. Man hat sowieso "ordentlich was in der Hand", weshalb ich darauf verzichten würde. Den Ventilblock kann man gut über das Ziehen der 3. Ventilzüge entwässern. Die Nummer auf dem Gewinderand des Bechers kann als Markierung das Anschrauben des Schallbechers unterstützen. Im Koffer an der vorderen Mundstückaufnahme bleibt manchmal ein Mundstück am inneren Deckel hängen und kann herausfallen: Nutze die hintere Mundstückaufnahme.

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