Gesamt
Features
Sound
Verarbeitung

Gut klingende Konzertgitarre in "leise"

Auf der Suche nach einer Gitarre, die sich auch ohne Störung der Nachbarn im Garten bzw. abends/nachts spielen lässt, stieß ich auf die Silent Guitars von Yamaha. An dieser Stelle kurz zu mir und meinen "Ambitionen": Ich spiele hobbymäßig für mich selbst, in der Vergangenheit überwiegend Westerngitarre und zuletzt immer häufiger auch klassische Gitarre. Dabei kommen zumeist eher einfache Solostücke (z. B. im Stil von M. Langers Acoustic Pop Guitar Solos) auf den Notenständer, hin und wieder probiere ich mich auch an (einfacher) Liedbegleitung.

Ich habe mich für die Nylonversion mit dem breiteren Hals entschieden, weil

a) die N-Modelle (für andere) leiser sind als die S-Version und

b) der Hals genau so breit ist wie an meiner "richtigen" Konzertgitarre

Ich habe den BLEND-Regler zu 100% auf MIC gedreht; dann klingt die Gitarre für meine Ohren deutlich weicher als eine Valdez No. 7. Der Treble-Regler steht bei mir grundsätzlich mittig, die Effekte sind aus. Wenn ich "in" einen Verstärker bzw. eine USB-Soundkarte spiele, reduziere ich den Bassanteil - mit Kopfhörern darf es etwas mehr Bass sein. Gezupfte Stücke klingen richtig gut. Der Klang beim Strumming gefällt mir bei Konzertgitarren grundsätzlich nicht wirklich, das gilt auch für die SLG. Zum Üben ist das aber absolut okay und mit Abstand die leiseste Variante :-)

A propos Kopfhörer: Die mitgelieferten Hörer empfinde ich als eher unangenehm, andere InEars schlagen sich da besser. Die Lösung mit dem besten Tragekomfort ist für mich aber ganz klar ein OverEar-Kopfhörer; ich nutze ein Modell von Superlux mit 32 Ohm Impedanz. Hier höre ich bei halb aufgedrehter Lautstärke Gitarre und Umgebung.

Zum Spielgefühl: Der Hals hat (zumindest gefühlt) die gleiche Form wie die erwähnte Valdez-Gitarre, er ist jedoch etwas stumpfer. Natürlich ist der Korpus der SLG schmaler, dadurch halte ich sie anders als eine "normale" Gitarre. Trotzdem kann ich zwischen beiden Gitarren ohne Schwierigkeiten wechseln. (Nebenbei fällt dabei auf, wie laut eine Konzertgitarre doch ist.)

Bei der Verarbeitung habe ich einen Punkt abgezogen, weil das Pickguard - versehentlich als Tragegriff missbraucht - dabei einen recht labilen Eindruck macht.

Klasse ist wiederum die Möglichkeit, über den AUX-Eingang z.B. ein Metronom anzuschließen und den Klick nur selbst zu hören.

Fazit: Die SLG200NW ist eine leise klassische Gitarre, die über Kopfhörer, USB-Soundkarte und Verstärker gleichermaßen gut klingt und sich wie eine normale klassische Gitarre spielt. Durch ihr kompaktes Packmaß passt sie dafür auch bei Urlaubsfahrten deutlich besser ins Auto als diese. Dank des AUX-Eingangs werden Übungs-"Sessions" mit Metronom im Garten der Reihenhaussiedlung oder zu nachtschlafender Stunde möglich. Sollte ich mich einmal aufnehmen, werde ich vermutlich zur SLG greifen. Wer also eine leise Konzertgitarre sucht und beim Spielen vor/für Publikum mit dem Umweg über Verstärker etc. leben kann, ist aus meiner Sicht bei der SLG200NW genau richtig.

Vorherige