Totaal
Bediening
Features
Geluid/kwaliteit
Computergebruik

Unentbehrlicher Maschinenzuwachs

Ich arbeite nun seit einem halben Jahr mit der Jam und kann mir, nach anfänglicher Ernüchterung, meine Arbeit ohne die lustige Matrixkiste nicht mehr vorstellen. Betrieben werden meine Maschinen übrigens von Apple?s iMac (mid 2011, OSX 10.10), wo nach der Installation alles auf Anhieb funktionierte.

Ich hatte vorher schon Maschine Studio und habe diese nun um die Jam ergänzt und mein Workflow hat sich massiv verbessert! Es dauert zwar etwas, bis man klar hat, welche Funktionen man an welcher Maschine bearbeitet, auch das Einprägen der Shift-Funktionen braucht seine Zeit, aber wenn man erstmal drin ist, flutscht es nur noch so.

Enttäuscht war ich etwas von den Touch-Strips. Diese haben sich bei mir im Alltag als wenig praxisrelevant erwiesen. Im Perform-Modus (also im vorbereiteten Sofort-Zugriff) kann man sie nur für eine Handvoll spezieller Effekte verwenden und mit dem melodischen Spiel über die Strips hab ich mich nicht so recht anfreunden können. Aber das ist sicherlich Geschmacksache. Einzig für die Bedienung der Macroregler verwende ich die Strips recht gerne, da kann man dann auch Effekte und Funktionen völlig frei selbst definieren.

Sehr erfreut war ich über die Möglichkeit, über die 64 Taster einzuspielen - wenn man da noch ne Tonart einstellt, hat man ganz ordentlich was an Oktaven am Start und kann sich sehr kreativ austoben. Da ist es auch erstmal egal, dass die Taster natürlich keine Anschlagsdynamik übermitteln. Zum drauflosjammen reicht es allemal. Wenn der Take perfekt war, kann man ja die Dynamik nachfeilen und ansonsten spielt man die gefundene Melodie nochmal mit Piano oder den Pads der Studio nach.

Ansonsten nimmt man die 64 Taster um Patterns und Scenes zu kreieren oder im Step-Mode Beats zu zaubern - auch ein Piano Roll gibt es, wird von mir aber meist vernachlässigt, weil ich gerade Melodien schon gerne von Hand einspiele.

Was auch erheblich schneller und komfortabler geht als beim grossen Bruder, ist das Browsen durch die mittlerweile doch recht grosse Fülle an Instrumenten. Ein Knopfdruck und man kann sich mittels D-Pad und Drehknopf durch ein übersichtliches Overlay arbeiten, fein gelöst.

Was ich etwas schade finde, ist die Tatsache, dass Jam und Studio zu sehr verlinkt sind. Ich kann nicht mit der Jam ein Instrument ansteuern, während ich mit Studio ein anderes steuere. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass über ein Update noch ein paar Funktionen freigeschaltet werden - ich hoffe schwer, dass es dann geht. Wobei man fairerweise dazusagen muss, dass es zwar nicht mit der Maschine-Software primär geht, es aber die Möglichkeit gibt, über die DAW ne zweite Instanz laufen zu lassen und dann jede Instanz mit einem Controller steuern kann.

Über die Verarbeitung brauchen wir gar nicht zu sprechen, die ist einfach nur tiptop. Alles fasst sich wertig an und sieht auch so aus. Das Design ist so minimalistisch schlicht und schön, wie man es von NI gewöhnt ist. Meiner Meinung nach hätte für den Preis (wie auch bei der Studio) eine hochwertige Abdeckung dazugehört. Wer aber noch keine Maschine besitzt, darf über den Preis gar nicht jammern, weil NI noch die Komplete Select drauflegt, die alleine schon 180¤ kostet.

Nachdem meine Maschine Studio ein eigenes Display hat, vermisse ich es in der Jam nicht allzu sehr. Schlecht wäre es aber sicher nicht gewesen. Wenn man sich gut vorbereitet, kann man in der Kombination sicherlich gut Livesets spielen ohne einen Monitor auf der Bühne stehen zu haben. Ausschliesslich mit Jam und Rechner wird das schon eher schwierig.

Im Studiobetrieb aber ist die Jam ein ordentlicher Workflow-Booster, den ich nicht mehr hergeben möchte.

vorige